Der Ort

Der Ort Wiedelah

Wiedelah ist ein Stadtteil von Goslar und liegt direkt an der A 395 mit eigener Autobahnanbindung. Durch den Ort schlängelt sich die Ecker und er ist umgeben von zwei kleinen Wäldern, dem Harly und dem Finkenherd. Der Fluß Oker fließt am Rande des Ortes vorbei und nimmt hinter dem Sportplatz die Ecker auf. Die Eisenbahnlinie von Bad Harzburg / Goslar nach Braunschweig wird dicht um den Ort herumgeführt.

Die Geschichte von Wiedelah ist mit der Wasserburg eng verknüpft.
Aus den Silben „Widen“ = „Weiden“ und „la“ = „Wald“ wird die Vermutung hergeleitet, dass es sich um eine Siedlung im 4. oder 5. Jahrhundert in einem Weidenwald gehandelt haben muss. Das Gelände zwischen Harly und Finkenherd war ein weitverzweigtes Sumpfgelände, welches mit einem Weidenwald bewachsen war und durch Ecker und Oker feuchtgehalten wurde.
Im Jahr 1178 bestätigt Bischof Adelog zu Hildesheim für das Kloster Heiningen bereits ½ Hufe (15 Morgen) Land zu Widesle. Aus dieser Bezeichnung dürfte sich dann die Bezeichnung „Widenla“ entwickelt haben, wie auf einer Urkunde des Domstiftes Goslar aus dem Jahr 1312 zu sehen ist.

Die Wiedelaher Wasserburg wurde in den Jahren 1292 – 1297 errichtet und zwar aus den Steinen der Harlyburg, die im Jahr 1291 zerstört wurde. Zeitgleich wurde auch die Nachbarburg Vienenburg aufgebaut. Damit sollte auch verhindert werden, dass die Harlyburg wieder instand gesetzt wurde.
Zur Karolingerzeit im 8.Jahrhundert führte ein Weg durch das Sumpfgelände von Goslar über Stötterlingen nach Osterwieck in Richtung Osten. Zur Wegsicherung gegen Überfälle auf dieser Heerstrasse, die heute noch oberhalb des Wolterberges verläuft, könnte eine Warte eingerichtet worden sein. Es soll eine sächsische Fliehburg, benannt als Sachsenring, im Finkenherd südlich des Hochwassersbehälters gegeben haben. Die Reste dieser Hauptburg wurden durch den Eisenbahnbau 1914 – 1925 zerstört.

Vor dem Bau der Wasserburg hat es bereits die Ansiedlung Dettlingerode nördlich von Wiedelah unterhalb des Finkenherdes gegeben. Das einzige Überbleibsel von dieser Ansiedlung war die mächtige “Königseiche”. Sie stand bis ca. 1970 mitten im Feld unterhalb des Finkenherdes und war der Mittelpunkt dieser Ansiedlung. Diese Eiche gibt es heute leider nicht mehr, dafür haben wir auf dem Wolterberg jetzt eine Herolds-Eiche.
Im Jahr 1755 wurde der Antrag von dem Papiermüller Päseler gestellt, am Laufe des Eckergrabens (im Volksmund auch Mühlwasser genannt) eine Papiermühle zu erbauen. Diese Mühle wechselte im Laufe der Jahre mehrfach seinen Besitzer. Nach Einstellung ihrer Funktion wurde sie als Tanzlokal benutzt und diente Landarbeitern und kindereichen Familien als Wohnstätte. Inzwischen sind die Gebäude zu einem modernen Wohnhaus für mehrere Mietparteien von einem privaten Eigentümer umgewandelt worden.

Bedeutungsvoll ist dann am 03.06.1341 ein Kaufvertrag zwischen Bischof Heinrich III. (ein Nachkomme Heinrichs des Löwen) und den Gebrüdern „von der Gowische“, durch den der Bischof das „Hus to dem Widenla“ mit allem Zubehör und der Ansiedlung Dettlingerode für 1.800 Mark lötigen Silbers erwirbt. Durch diesen Kauf gehört Wiedelah nicht mehr zum Bistum Halberstadt sondern zum Bistum Hildesheim. Halberstadt war also ein Bistum in der späteren Provinz Sachsen und Hildesheim in der späteren Provinz Hannover. Durch diesen Kauf wurden die Bistumsgrenzen zwischen Halberstadt und Hildesheim neu festgelegt. Diese Bistumsgrenzen um Wiedelah herum sind deckungsgleich mit den Grenzen der Provinz (Königreich) Hannover und Sachsen. Da Hildesheim ein Bistum in der Provinz Hannover war, blieb Wiedelah durch diesen Kauf bei der Festlegung der Grenzen nach dem 2. Weltkrieg im Westen und wurde nicht der sowjetischen Besatzungszone zugeteilt.

Das „Hus to dem Widenla“ wird vom Bischof alsbald zu seiner östlichen Grenzfeste ausgebaut und erhält den zweiten weitaus größeren Burgturm, 9×9 m, ca. 40 m hoch. Dieser wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder abgebrochen, weil die Steine für den Ausbau der Domäne benötigt werden. Die Burg wird des Öfteren an verschiedene Lehensgeschlechter verpachtet, wie z. B. den von Bocks, von Salder, den Raubrittern von Schwicheldt, den Quitzows usw., …Heute befindet sich die Burg im Besitz der Familie Janert.

Der Ausbau der Burg zu einer Grenzfeste bedingt eine Ansiedlung von Soldaten und Knechten mit ihren Familien. So wird in der Mitte des 14. Jahrhunderts zunächst die Pfarrkirche nahe der Burg errichtet. Auf dem Taufstein der Kirche steht der Name des Stifters „Rederus“. Wahrscheinlich ist er mit dem Frater Rederus identisch, der 1329 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Wöltingerode genannt wird. In kurzem Zeitabstand müssen sich dann die Einwohner des Ortes Dettlingerode rings um Burg und Kirche angesiedelt haben. Zum Ende des 15. Jahrhunderts wird der Ort Dettlingerode bereits als wüst bezeichnet.
Während sich die Burg unter den Brüdern Brand und Cord von Schwicheldt zu einem Räubernest entwickelte, die allerdings 1427 vertrieben wurden, so bauten die Quitzows die Burg in den Jahren 1569 – 1648 zu einem Renaissanceschloss aus.
Während des 30jährigen Krieges fiel Wiedelah am 09.01.1626 nach 2-tägiger Belagerung durch Wallenstein in kaiserliche Hand. 5 Monate später wurde der Ort durch dänische Truppen besetzt, aber nach der Schlacht in Lutter am Barenberge zogen wieder die kaiserlichen Truppen ein.
Viele Jahre später, so um das Jahr 1800, wurde die Domäne inklusive der Wasserburg in eine Staatsdömäne umgewandelt und seither verpachtet. Die Familie und Nachfolger des Amtsrates Heine haben die Domäne bis heute in ihrem Pachtbesitz während die Burg nach der Aufteilung der Staatsdomäne in Privatbesitz überging.

Da die katholische Kirche durch Kriege öfters zerstört wurde, hatte man hier in der Burg eine Kapelle eingerichtet, die viele Jahre von Christen beider Konfessionen für ihre Gottesdienste benutzt wurden

Natürlich hat Wiedelah auch noch andere Merkmale.
Dazu gehört der heilige Johannes von Nepomuk. Diese Figur wurde 1741 von dem damaligen Pfarrer Franz Vincens Bruns gestiftet. Der hlg. Johannes gilt u. a. als Schutzpatron des Beichtgeheimnisses und gegen Hochwassergefahren.

Im Jahre 1860 wurde von den „barmherzigen Schwestern“ eine Krankenstation und eine Kinderbewahrstation mit dem Namen St. Joseph Stift eingerichtet. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Alten- und Pflegeheim, während der Kindergarten in dem ehemaligen Klostergarten neu eingerichtet wurde.

Anfang der 1880er Jahre wurde der Salzstock von Wiedelah und Vienenburg im Harly durch mehrere Bohrgesellschaften untersucht. Die Bohrung der späteren Gewerkschaft Hercynia fand 1883 in 310 Metern Tiefe ein Kalivorkommen. Bereits 1884 wurden mit dem Abteufen des ersten Schachtes (Schacht 1 Wiedelah) begonnen, der zunächst nach dem geldgebenden Bankhaus Neubauer benannt wurde. Bei den Teufarbeiten traten in einer Tiefe von 230 Metern bereits geringe Laugenzuflüsse auf. Das Kalibergwerk wurde im Laufe der Zeit bis auf insgesamt 3 Schächte in Richtung Wöltingerode ausgedehnt. Im Jahr 1926 traten in 230 und 318 Meter Tiefe bei Schacht I größere Wasserzuflüsse auf. Und am 08.Mai 1930 in der Frühschicht geschah das große Unglück. Bei der Erkundung einer Schlotte (= Höhle ohne Verbindung zur Erdoberfläche oder weiteren Hohlräumen) am Rand der Lagerstätte brach plötzlich das Gebirge zwischen dem Hohlraum und dem Gipshut des Salzstockes zusammen. Dabei strömten so große Wassermassen in die Grube, dass sämtliche Abddichtungsarbeiten scheiterten und die gesamte Belegschaft das Bergwerk fluchtartig über Schacht III verlassen musste. Es bildete sich ein riesengroßer Krater im Harly, der auch heute noch zu sehen ist. Durch wurde auch die Eisenbahnverbindung nach Grauhof / Langelsheim zerstört. Gott sei Dank kamen keine Personen zu schaden, aber zwei Pferde konnten nicht mehr gerettet werden. Allerdings wurden ca. 400 Mitarbeiter arbeitslos. Dadurch minimierten sich auch die Einwohnerzahlen in Wiedelah und Vienenburg, da sich die Bergleute in anderen Bergwerken, z. B. Bleicherode, neue Arbeit suchten.

2 große Marktplätze befinden sich in der Mitte von Wiedelah, die früher zur Abhaltung von Jahrmärkten (2x im Jahr) sowie zur Viehfütterung, zum Wäschebleichen und Fussballspielen benutzt wurden. Das Marktrecht erhielt Wiedelah bereits im Jahr 1785.

Bis 1923 führte die Straße von Braunschweig nach Bad Harzburg über die heutige Siedlerstraße. Dann wurde die Okerbrücke vor dem Ort neu gebaut und der Verkehr an Wiedelah vorbeigeleitet.
In den 60ziger Jahren erhielt die evangelische Kirchengemeinde ihre eigene Kirche. Bis dahin mussten die evangelischen Christen nach Vienenburg zum Gottesdienst gehen.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges und der damaligen Grenzfestlegung wurde der Durchgangsverkehr Richtung Wülperode unterbrochen. Die Wülperoder Straße wurde an der Grenze aufgerissen und mit dem Aushub wurde ein großer Hügel aufgeschüttet. Seit 1990 ist Wiedelah keine Sackgasse mehr. Denn am 10.02.1990 wurde die Grenze zur DDR hier in Wiedelah offiziell wieder aufgehoben.

1312 erste urkundliche Erwähnung in einer Lehnsrolle des Bischofs von Halberstadt
1341 Bischof Heinrich III. von Hildesheim kauft die Wasserburg.
Dieser Tatsache hat Wiedelah zu verdanken, dass der Ort nach dem 2. Weltkrieg der britischen Besatzungszone zugeordnet wurde !
1755 Antrag für den Bau einer Papiermühle am Lauf des Eckergrabens (Mühlwasser), die dann auch gebaut wurde
1785 Recht zum Abhalten von 2 Jahrmärkten
1840 wurde die Eisenbahnstrecke Braunschweig – Bad Harzburg an Wiedelah vorbeigeführt.
1860 Bau des Sankt Joseph-Stiftes (heutige Altenheim)
1884 Abteufung des Kalischachtes I
1910 wird mit dem Bau der Eisenbahnstrecke durch den Finkenherd begonnen
1925 Eröffnung der Eisenbahnstrecke
1930 Wassereinbruch im Kalibergwerk
1931 Bau der Wasserleitung
1946 Ziehung der Grenze zur sowjetischen Besatzungszone
1962 Aufteilung der Domäne und Bau der Aussiedlerhöfe
1968 Fertigstellung der neuen Eckerbrücke für den Straßenverkehr
1972 Gebietsreform – Zuordnung zu Vienenburg
1972 Freigabe der Autobahn
1998 Bau der neuen Fußgängerbrücke über die Ecker
2014 Wiedelah wird ein Stadtteil von Goslar

Einwohnerzahlen
1701: 187
1860: 711
1894: 1.121
1904: 1.617
1932: 1.487
1946: 2.164
1956: 2.082
1960: 1.986
1982: 1.600
2013: 1.470

Die Fläche der Ortschaft Wiedelah beträgt 7,25 km².